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Baier |
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Silke Baumann: Die unsichtbare Sonne Klaus Heid: Ideallandschaften zwischen Vergangenheit und Zukunft Wer das Atelier von Jörg Baier (32) besucht, den erwartet zunächst eine olphaktorische Überraschung: Es riecht intensiv nach Ölfarbe, obwohl in dem rund 30 Quadratmeter großen Raum keine Spur davon zu sehen ist. Der Geruch dringt durch die Ritzen vom benachbarten Atelier Jochen Schambecks herein. Baier teilt sich mit dem Maler die erste Etage eines Hinterhauses in der Karlsruher Innenstadt. Jörg Baier hat sich an den Geruch gewöhnt. Vor Jahren hat er auch mit Ölfarbe gemalt und mit Acryl, aber das ist lange her und gerne vergessen (er hatte sich, wie er selbstkritisch einräumt, dabei zu sehr in die Nähe der Malerei von Per Kirkeby navigiert). Das von Neonröhren gleißend weiß ausgeleuchtete Atelier wirkt aufgeräumt, die Atmosphäre ist konzentriert. Nichts lenkt von den Zeichnungen, die mit Papierklammern und Stahlnägel an den Wänden befestigt sind, und den Collagen ab, die gerahmt auf dem Boden stehen. „Neue Ruine“ ist eine Zeichnung betitelt. Grafit-Striche und -Flächen verweben sich mit lichtgelber Gouachefarbe zu einer architektonischen Skizze. Man assoziiert angesichts der abstrakten, aufeinander getürmten runden und kantigen Formen unweigerlich eine im Ruhrgebiet zu lokalisierende Industrieruine, Fragmente von Fördertürmen vielleicht, jedenfalls Artefakte einer Architektur, die verortet ist. Besser: Von der wir zu wissen glauben, wo sie zu verorten ist. Alles gar nicht so falsch, bestätigt Jörg Baier. Nicht, dass er sich eine bestimmte Zechenarchitektur als Vorlage ausgewählt hätte. Aber architektonische Relikte der ersten industriellen Revolution faszinieren ihn schon. Bei der Arbeit schöpft er aus seinem Erinnerungsfundus. Er zeichnet nicht nach der Wirklichkeit, sondern imaginiert und konstruiert architektonische Atmosphären. „Utopia“ ist für ihn kein konkret zu definierendes Nirgendwo, er entwirft keine Architektur für alternative Gesellschaftsmodelle. Er schafft vielmehr landschaftliche Atmosphären und ist dabei weit davon entfernt, in ruinenromantische Klischees abzurutschen. Das eigentümliche an Baiers Bildern von imaginäre Ruinen – ein
Thema, das er vielfach variiert – ist: Man glaubt zwar, Details
schon einmal so oder so ähnlich Dieser Eindruck setzt sich in anderen Zeichnungen fort, in denen keine
architektonischen Anhaltspunkte zu finden sind, sondern auf denen vegetabile
Formen wohl kalkuliert wuchern, in „Ideallandschaften“, wie
sie Jörg Baier nennt, deren Nähe zu Max Ernst nicht nur durch
die Technik der Frottage, sondern z.T. auch durch die Komposition evoziert
wird. Viele haben Baier abgeraten, die Frottagetechnik zu benutzen, zu
sehr sei sie kunstgeschichtlich mit Max Ernst verknüpft. „Aber
ich wollte mich davon nicht einschüchtern lassen“, sagt Baier.
Das ist ihm gelungen. Jörg Baier beruft sich nicht nur auf Max Ernst,
auch Giorgio de Chirico und Willi Baumeister benutzt er als kunsthistorische „Steinbrüche“. Die Zwiegespräche im Hintergrund sind auch bei den Collagen unübersehbar.
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